Urška
Schlimm ist es, zu schön zu sein
Für diese Welt aus Einheitsbrei.
In der Stadt, da gibt’s ein Fest,
das alle Leute froh sein lässt.
Die Band ist laut, Tanzfläche voll,
Polka, Techno, Rock ’n’ Roll,
man tanzt zum Musik-Potpourri
und steigert so die Euphorie.
Jung und Alt, Männer und Weiber,
allen zucken ihre Leiber.
In der Stadt ein einzig’s Wesen
sieht aus als würd’ es nie genesen.
Urška ist’s, die schöne Frau
Mit dem richtig sauren G’schau.
Der Anblick der Leute macht ihr klar
die traurige Wahrheit: Er ist nicht da,
ein Typ, wunderschön anzuseh’n
und sich mit ihm zur Musik zu dreh’n.
Und als zur Stunde der Mitternacht
der Tanzpulk ohne sie weitermacht
und Urška sich in Verzweiflung suhlt,
vernimmt sie plötzlich lauten Tumult,
er kommt näher, Stück für Stück,
übertönt mit Gedröhn die Musik,
bis in dem trüben Abendnebel
erscheint eines Motorradlichtes Kegel.
Das Licht, als wollte es etwas finden,
taumelt dorthin, wo alle sich winden,
begleitet von solchem Krachen und Knallen,
dass die Instrumente zu Boden fallen,
denn es dröhnt und kläfft und bellt
wie von einer anderen Welt,
bis es schließlich kommt zu Halt
neben Urškas schöner Gestalt.
Urška erzittert bis ins Mark
als neben sie das Rad sich parkt.
Der Lärm verstummt, das Licht wird schwach
und den Umrissen der Nacht
entsteigt ein schlaksig-dünner Mann
der schön ist wie Mannequin,
und als er dann den Helm abnimmt
weht sein volles Haar im Wind.
Urška starrt ihn an, sie stiert
als hätt’ er sie hypnotisiert,
und der Typ sagt: „Hallo, Baby,
willst du mit mir tanzen maybe?“
Doch da die Musik weiterhin schweigt,
dauert’s nicht lange, bis er schreit:
„Ey, das kann’s ja wohl nicht sein!
Band, hau in die Tasten rein!“
„Endlich der Richtige für mich“,
haucht die Urška und gibt sich
ganz der Liebe zu ihm hin,
das Feuer in den Augen drin
brennt mit solcher Inbrunst nun
dass alle sich recht wundern tun,
wie, bitte, es denn möglich is,
dass dem Typ nicht brennt das Gfrieß.
Wie verrückt spielt jetzt die Band,
bis jedes Instrument fast brennt,
das Saxofon beginnt zu glüh’n
während Tschinellen Funken sprüh’n,
und aus jedem Gitarrenbauch
steigt eine dunkle Wolke Rauch,
als das Paar, so jung und schön,
sich beginnt wie wild zu dreh’n.
Urška zuckt wie in Ekstase,
bricht sich dabei fast die Nase,
und auch der Typ kriegt’s ganz gut hin,
er ist kräftig, wenn auch dünn,
tanzt ganz locker aus der Hüfte,
wirbelt Urška durch die Lüfte,
sie fliegt runter, sie fliegt rauf,
fast wie Elvis hat er’s drauf.
Urška weiß, er ist der Mann,
weshalb sie auch nicht aufhör’n kann,
bis die Uhr sagt, es ist Zeit,
das Fest ist aus, der Tag nicht weit.
Da spricht Urška zu dem Mann:
„Dass man so gut tanzen kann!
Meine Füße sind geschunden,
fahren wir doch ein paar Runden.“
Der Typ spuckt lässig auf die Straße
ein großes Stück Kaugummimasse,
bevor er sich aufs Bike raufschwingt,
und Urška ihn von hint’ umschlingt.
Sie hält sich fest am hageren Mann,
der so gut mit ihr tanzen kann,
und schon fahren beide fort
an einen unbekannten Ort.
Schon am Nachmittag erfährt
man, wo die Brücke die Save quert
waren Bankette und Asphalt
zu kaputt und viel zu alt,
auch zu schnell war er unterwegs,
fuhr in den Fluss geradewegs.
Das Rad zog man aus dem Wasser nur,
doch von den beiden keine Spur.
© der Übersetzung: Metka Wakounig, 2014
