Der Jäger

Peter, so hat man’s mir gesagt,
ging am Samstag auf die Jagd.
Er wanderte durch Wald und Dreck
und suchte im Busch sich ein Versteck,
wo er dann auf der Lauer lag
die ganze Nacht bis zum nächsten Tag.
Als es dämmerte sodann,
flog ein schwarzer Rabe an,
krähte laut von seinem Ast:
„Ich bin’s, auf den du gewartet hast.
Komm, Peterlein, erschieße mich,
meinen Tod, den fürchte nicht.“

Peter mutet’s seltsam an,
dass dieser Vogel sprechen kann.
Dass das nur keine Falle ist,
ein Trick, gar eine böse List,
in die er könnte blindlings tappen
und dies mit dem Leben dann berappen.
Er hätte vom Raben gerne gehört
warum er sich verhält so gestört,
warum er will werden umgebracht,
wer ihm sprechen beigebracht.
Doch er beschließt zu schweigen,
um ihn nicht zu vertreiben.
Statt dass er ihn was fragt,
ihm Kugeln durchs Gefieder jagt.

Der Rabe schweigt, hört auf zu leben.
Wie jeder tote Vogel eben.
Und Peter es kein bisschen stört,
dass er den Raben nicht verhört,
genug ist er schon belehrt worden,
jetzt will er in Ruhe morden.

So geht die Geschichte fast zur Neige,
zufrieden sind jetzt schließlich beide.
Dem Peter fallen die Augen zu
und schon begibt er sich zur Ruh.
Mitten im Krieg ist er im Traum,
Soldat und im Gesicht noch Flaum.
Er schiebt Wache und er schaut
dass niemand über die Grenz’ abhaut.
Er langweilt sich und steht herum
in der Gegend und schaut dumm,
da taucht der Rabe auf vor ihm
und Peter fragt ihn: „Sag, wohin
trägt dein sanfter Flügelschlag
dich an diesem schönen Tag?
Oder bist du ein Langfinger
und drehst heut Nacht gar krumme Dinger,
gar in die Kasern’ einbrechen willst,
damit du uns schamlos bestiehlst?
Und auch ansonsten es mir scheint,
dass du, Rabe, bist mein Feind.
Sollte an der Front ich fallen,
wirst du wohl vor Freude strahlen.
Drum kenn ich kein Pardon,
du kriegst jetzt ’ne Patron.
Und flehst du, dir sei dein Leben lieb,
dann weiß ich sicher, du bist ein Dieb!“

Und ohne mit der Wimper zu zucken,
bevor der Rabe kann aufmucken,
verpasst ins Herz er ihm einen Schuss,
wovon er sofort aufwachen muss.

Er klaubt den Raben auf und schon
schlurft er zur nächsten Busstation.
Beim Warten fallen ihm zu die Lider,
im Traume spricht der Rabe wieder:

„Getötet hast du mich schon zweimal,
Das ist für mich aber ganz normal.
Mir wurde das Schicksal gegeben,
dass es mir nicht bestimmt ist zu leben.
Von Tag zu Tag sterbe ich.
Wie ich es mach, weiß ich nicht.
Mutter meint, verrückt sei ich wohl,
der Arzt gibt die Schuld dem Alkohol.
Dass das nicht normal ist, weiß ich schon,
doch was soll ich tun gegen meine Passion?
Von dir würd ich nur eines wollen,
dass du bringst meinen Kopf zum Rollen.
Kannst mich töten tagein, tagaus,
doch wenn du nicht willst, dann wirf mich raus.
Es ist kein Problem, wenn dir das nicht gefällt,
ich finde wen anderen der mich quält.“

„Ja leck mich am Arsch, diese Natur
ist jetzt auch psychisch neben der Spur!“
erwacht der Peter, frohgemut
ist er und auch ausgeruht.
„Oh du verdammtes Federvieh,
ich lass dich nicht leben, niemals nie!
Kriegst jeden Tag von mir ’n Schuss!“
Und dann bestiegen sie den Bus.

© der Übersetzung: Metka Wakounig, 2014